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Hörende trifft Gehörlose – Erfahrungen beim Skilaufen
Von Jenny Jung
Am 10. April 2004 war es soweit – die erste von der DCIG veranstaltete Skifreizeit
startete. 16 jugendliche CI-Träger, zwei erwachsene Betreuer mit CI, darunter meine
Mutter, mein „normal" hörender Vater und ich als „normal" hörende Jugendliche
reisten aus ganz Deutschland nach Flattach (Österreich) am Mölltaler Gletscher. Dort
bekam die Gruppe noch Verstärkung von zwei jugendlichen CI-tragenden ProfisSkifahrern, die nur wenige Kilometer von dem Skigebiet entfernt wohnten.
Schon beim ersten gemeinsamen Frühstück kam ich in eine sehr unangenehme Situation: Ich hatte mich mitten an einen Tisch zwischen die Mädchen und Jungen
gesetzt, um ihnen zu zeigen, dass ich nicht nur bei Mama und Papa rumhänge, sondern mit ihnen Spaß haben wollte. Nun saß ich da und kam mir schrecklich allein vor.
Keiner sprach mit mir! Stattdessen frühstückten sie und unterhielten sich mit Hilfe der
Gebärdensprache - die ich überhaupt nicht konnte – quer über den Tisch mit allen.
Ich musste sofort daran denken, wie sich ein Hörgeschädigter unter normal Hörenden vorkommen musste. Es war ja genau dieselbe Situation! Zum Glück gab es nur
noch wenige solcher Ereignisse.
Morgens um 7.30 Uhr gab es immer Frühstück und danach ging es mit dem Skibus zur Gletscherbahn. Auch wenn einige mit der Uhrzeit nicht zurecht kamen – um ca.
9.15 Uhr stand die gesamte Truppe dick oder weniger dick verpackt mit Skiern und
Snowboard auf dem Berg.
Acht Jungs und Mädels besuchten einen Snowboard-Kurs. Der Rest – Acht Skifahrer
und zwei Snowboarder – erkundeten täglich alle Pisten, ob blau, rot oder schwarz.
Auch wenn das Wetter nicht immer mitspielte, ließen sich die meisten davon nicht
beeinflussen.
Jeden Mittag um 12Uhr gab es im „Restaurant Eissee" auf ca. 2800m Höhe eine warme Mahlzeit. Danach wurden bis ca. 15 Uhr die Pisten wieder unsicher gemacht,
bis es mit der Gletscherbahn hinunter zum Skibus und dann zurück ins Hotel ging.
Dort ging es dann zuerst einmal ab unter die Dusche. Frisch gestylt – der eine mehr
der andere weniger – wurde um 18Uhr das Abendessen eingenommen. Wie die Jugendlichen ihren Abend gestalten wollten, war jedem selbst überlassen. Und so
spielten einige Tischtennis, andere Fußball und wieder andere hingen auf ihrem Zimmer rum.
Ich hatte ein Mädchen und fünf Jungs gefunden, mit denen ich jeden Abend „Uno"
spielte. Es war immer sehr lustig. Wir alle hatten jede Menge Spaß!
Für mich war die Skifreizeit sehr interessant. In den Tagen davor habe ich mir ein
paar Gedanken darüber gemacht, wie die Mädchen und Jungen wohl sein werden. Und wie das meistens so ist – ich habe natürlich falsch gedacht! Sie sind weder ruhig
noch zurückhaltend oder brav ?! Im Gegenteil: Sie sind genau wie normal hörende
Jugendliche.
Manchmal habe ich sogar ganz vergessen, dass sie eine Behinderung haben. Denn es hat mich überhaupt nicht gestört. In meiner Familie muss nämlich genauso
langsam und deutlich gesprochen werden, da meine Mama ja auch CI-Trägerin ist.
Mit diesen Worten möchte ich meinen Bericht beenden. Mir hat die Skifreizeit sehr
gut gefallen und ich würde auf jeden Fall wieder mitfahren. Was mich sehr freut, ist,
dass ich ein paar neue Freunde gefunden habe, die ich auch ganz herzlich grüßen
möchte.
Jenny Jung
April 2004
Und hier ein paar Fotos:

Die Skigruppe bei 3155 m

Die gesamte Gruppe vor der Skimaterialhütte

Und hier bin ich mit meiner Mutter... Who is who ? ?
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Stand: 08.05.2004