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Hörschäden früh erkennen
Aus Frankfurter Neue Presse vom 02.07.2005
Hörschäden werden bei Kindern häufig zu spät erkannt. In vielen Fällen hat die Entwicklung des kleinen Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Schaden genommen, wie die
Direktorin der Heidelberger Universitäts-Abteilung für Stimm- und Sprachstörungen, Ute Pröschel, berichtet. Zwar stünden Screening-Tests für Neugeborene längst zur Verfügung. Doch nur in wenigen Bundesländern wie Hamburg oder dem Saarland würden diese
Untersuchungen auch flächendeckend durchgeführt.
In Deutschland leiden von 1000 Neugeborenen ein bis zwei an Hörschäden. Im Durchschnitt werden die Beeinträchtigungen nach Angaben Pröschels erst im dritten Lebensjahr entdeckt. Dann fielen die Kinder durch eine verzögerte Entwicklung der Sprache oder durch gestörtes Verhalten auf. Nervenbahnen im Gehirn, die das Innenohr mit dem Hör- und Sprachzentrum verbänden, sollten jedoch zu diesem Zeitpunkt bereits weiterentwickelt sein. Diese
Ausbildung könne auch der späte Einsatz von Hörgeräten nicht ersetzen.
Das Neugeborenen-Screening könne als schneller, schmerzfreier Test auf der
Geburtsstation vorgenommen werden, erklärt die Professorin. Dabei werde eine kleine Sonde in das Ohr des Kindes eingeführt und ein kurzer Schallreiz erzeugt. Ob das Kind richtig höre, werde an der Schallantwort aus dem Innenohr oder an den Hirnströmen abgelesen. Um aber den Test durchführen zu können, müssten die Geburtskliniken entsprechend ausgestattet und die
Mitarbeiter geschult sein. Dass hier Erfolge möglich seien, zeigten Österreich und die USA, wo die Mehrzahl der Neugeborenen mit Hörschäden bereits in den ersten sechs Monaten
behandelt werde.
Ursachen angeborener Hörschäden können nach Angaben der Expertin genetische
Erkrankungen, Röteln während der Schwangerschaft, Frühgeburt sowie starker Sauerstoffmangel während der Geburt sein. Kindern mit Hörstörungen stünden heute ausgezeichnete
Behandlungsmöglichkeiten offen, betont Pröschel. Mit Hilfe von Hörgeräten, Cochlea-Implantaten sowie anderen Hörprothesen könnten gute Erfolge in der Sprachentwicklung und der
allgemeinen Entwicklung erzielt werden.
Quelle: http://www.rhein-main.net/sixcms/list.php?page=fnp2_news_article&id=2367726
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Stand: 02.07.2005