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Verbandsarbeit in der DCIG und den angeschlossenen Regionalverbänden (RVs)
Ein Beitrag von Michael Schwaninger
Die DCIG ist heute nach 15 arbeitsreichen Jahren DIE größte CI-Gesellschaft in Deutschland für gehörlose,
ertaubte oder an Taubheit grenzend schwerhörige Kinder und Erwachsene. Die DCIG gliedert sich
hierarchisch und arbeitsteilend wie folgt:
SHGs Betreuung der Mitglieder und Hilfesuchenden vor Ort, Arbeit Pro-CI auf lokaler Ebene
RVs Betreuung der SHGs, Arbeit Pro-CI auf regionaler Ebene, überwiegend je Bundesland
DCIG Betreuung der RVs / SHGs / Einzelmitglieder, wo RVs noch fehlen, Arbeit Pro-CI auf
Bundesebene
Mit über 1.000 Mitgliedern gibt es deutschlandweit gleichzeitig auch über 1.000 Anlaufstellen bzw. Personen,
die sich sehr gut hineinfühlen können, wie es ist, sich als hörgeschädigter Mensch oder als Eltern eines hörgeschädigten Kindes in der heutigen Zeit zu bewegen, zu integrieren.
Die heutige Zeit ist polarisiert, einerseits durch Bemühungen auf gesetzlicher Grundlage eine Teilhabe und
Integration von Behinderten herbeizuführen und dazu gehören wir HÖRbehinderten ohne Frage. Die
Barrierefreiheit hat Einzug gehalten in den deutschen Sprachgebrauch und das ist sicherlich gut so. An ihrer
Durchsetzung zu arbeiten ist ein zentraler Punkt der DCIG.
Andererseits sind für Behinderte die materiellen Nachteilsausgleiche des Staates schon über lange Zeit nicht
mehr angehoben worden und die Bemühungen der öffentlichen Hand zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit
Schwerbehinderter wirken insgesamt mehr als halbherzig.
Darüber hinaus sind die Kassen der sozialen Sicherungssysteme heute leerer denn je zuvor. Dies ist gerade
in einem Umfeld wie dem CI von erheblicher Bedeutung, denn OP, Rehabilitation und die Technik sind ohne
Frage teuer, aber Hören darf deswegen NICHT zum Luxus werden. NICHT hören ist eine Einschränkung
eines der elementaren Sinne des Menschen und insofern ist die Therapie dieser Einschränkung von der
Sozialgemeinschaft einforderbar.
Worin liegen nun die Aufgaben der DCIG, der RVs und der SHGs im besonderen?
Ich beginne mit den Worten von John F. Kennedy, der sagte: „And so, my fellow Americans: ask not what
your country can do for you - ask what you can do for your country." Frei übersetzt heißt das: „Frage nicht
nach dem, was Dein Land für Dich tun kann, sondern nach dem was Du für Dein Land tun kannst."
Wir alle, die wir als Hörgeschädigte leben und arbeiten, sind zunächst einmal eines, nämlich Anwalt in
eigener Sache. Das heißt, jeder einzelne von uns sollte im täglichen Leben SEINE persönlichen durch die Hörschädigung entstehenden Schwierigkeiten und Nöte an die Mitmenschen adressieren und deren Verständnis
für die eigene Behinderung einfordern und zwar nicht als Bittsteller sondern als gleichberechtigter Mensch.
In den SHGs, RVs und der DCIG übernehmen ehrenamtliche Kräfte darüber hinaus auch übergreifende
Aufgaben. Sie bieten Hilfe für Ratsuchende (Schwerpunkt: Medizin, Technik, Krankenkassen, Recht,
Seelsorge, usw.) an, richten Veranstaltungen für Gleichgesinnte aus, gehen mit den Problemen, Sorgen und
Nöte der eigenen Gruppe an die Öffentlichkeit, helfen Medizinern, Ingenieuren und Technikern bei der
Weiterentwicklung der Technik, erarbeiten mit Pädagogen und Pädaudiologen Konzepte zur Förderung und
Integration von hörgeschädigten Kindern, usw. Das „usw." bitte ich in diesem Fall wörtlich zu nehmen, denn
die Aufgaben, die hier übernommen werden, sind in ihrer Bandbreite kaum zu erfassen.
Die Arbeit dieser Menschen ist vollständig ehrenamtlich, das heißt sie wird unentgeltich und neben der
eigentlichen Arbeit in Familie und Beruf geleistet, jeder arbeitet nach SEINEN Möglichkeiten und Interessen
mit, die eine mehr, der andere weniger, aber jede helfende Hand ist willkommen.
Was können wir nun also tun ? Unsere wichtigste weil sehr langfristige Aufgabe, die wir als ehrenamtliche
Kräfte in der DCIG, Ihren RVs und SHGs übernommen haben, ist das CI im alltäglichen Leben bekannt zu
machen. Auf die Chancen und Risiken eines solchen Eingriffs hinzuweisen ebenso wie auf die notwendige
Nachsorge und allen Nichtbetroffenen klar zu machen, wie es ist nicht hören zu können. Wenn hierzu jeder
seinen Beitrag leistet, sind wir sicher auf einem guten Weg.
Wenn sich in der breiten Bevölkerung das Wissen um Probleme der Hörschädigung durchsetzt, wenn das CI
in seiner Funktion, seinen Chancen aber auch seinen Grenzen so bekannt ist wie der Herzschrittmacher und
jeder über diese Alternative zur Gehörlosigkeit informiert ist, dann wären wir am Ende des Weges... Aber
man wird ja auch mal träumen dürfen... ?
Bis dahin sollten die DCIG, die RVs und ihre SHGs alles in ihren Kräften stehende tun, um auf politischer
und gesellschaftlicher Ebene ihren Einfluss geltend zu machen. Hierzu sind Kontakte zu Entscheidungsträgern im politischen Umfeld (kommunal, auf Landes- und Bundesebene), bei den Sozialkassen, zu Kirchen,
zu Firmen (Schwerbehindertenbeauftrage!), zu den Bildungsträgern und Pädagogen, zu Ärzten und ihren
Verbänden und insbesondere anderen Betroffenengruppen aus dem Bereich Hörschädigung von erheblicher
Bedeutung, da diese Multiplikatorfunktionen wahrnehmen, also im Schneeballeffekt unser Anliegen
voranbringen können.
Lassen Sie uns jeder eine Schneeflocke sein und daran arbeiten, dass wir uns GEMEINSAM zur Lawine
entwickeln... Der Einzelne ist zwar nicht ohnmächtig, aber nur ZUSAMMEN sind wir stark !
Mit hörigen Grüßen
Michael Schwaninger
Mitglied im Präsidium der DCIG
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Stand: 20.05.2004