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CI-Erfahrungen von Natascha C. Hembach
Mai 2004
Ich war bis zu meinem 28. Lebensjahr guthörend und habe im Rahmen eines sechswöchigen
Komas (wegen eines ARDS), nach der Kaiserschnittentbindung meines ersten Kindes, auf
Grund einer ototoxischen Reaktion wegen einer Antibiose gegen einen oxacillinresistenten
Staphilococcus aureus, mein Gehör über 2,5 Jahre hinweg immer mehr verloren.
Schlussendlich war ich an Taubheit grenzend schwerhörig und nach dem ich noch zwei Kinder
bekommen habe und endlich im Frühjahr 2003 (nach 8 Jahren) soweit, mich mit der CI-Implantation auseinander zu setzen.
Im September 2003 wurde ich in Hannover von dem Team um Herrn Prof. Lenarz operiert. Ich
habe mich auf Grund der MED-EL-Studie zu einer bilateralen CI-Implantation (auf "einen
Rutsch") mit Cochlear Nucleus ESPrit 3G Geräten entschieden. Im November 2003 war die
Anpassung meiner CI und ich bin nur glücklich - endlich kann ich wieder so leben, wie ich es mir so
lange gewünscht hatte.
Alle anderen medizinischen, ob konservativen oder alternativen Versuche, haben leider nie
etwas gebracht - und ich habe eigentlich nichts unversucht gelassen - bin durch die ganze
Republik gereist, um Hilfe gegen meinen immer schlechteren Hörstatus zu finden. (Gegen eine
ototoxische Innenohrschwerhörigkeit ist nun mal "kein Kraut" gewachsen).
Mit jeder Verschlechterung wurde auch meine psychische Verfassung nicht besser und ich war,
trotz einer glücklichen Familie um mich herum, dann im März 2003 dann an einem Punkt
angekommen, an dem ich nicht weiter konnte. Mir war klar, dass ich, wenn ich so weiterleben würde,
auf dem besten Weg gewesen wäre, eine verbitterte Frau zu werden und damit das Glück
meiner Familie zu gefährden und mich in eine große Isolation katapultieren würde.
Wie das Schicksal es dann so wollte, erfuhr ich durch einen hörgeschädigten Freund von uns,
daß wiederum ein gemeinsamer Bekannter (dessen Ertaubung auf die gleichen Umstände wie
bei mir zurückzuführen ist) von uns, sich zum CI entschieden hatte und damit ungemein glücklich sei, er sogar wieder telefonieren könnte und auch beruflich wieder zu alter Höchstform
auflaufen sei. So nahm ich Kontakt mit diesem Bekannten auf und las seine Erfahrungsberichte mit
Tränen in den Augen.
So glücklich wollte ich auch wieder werden!! Ich informierte mich maximal - bin mit meinem
Mann alle positiven und negativen Aspekte einer CI-Versorgung und der OP durchgegangen-
uns war sehr schnell klar, dass ich nur zu gewinnen hatte. Ein Vortrag von Prof. Lenarz bei der
Einweihung des CI-Centrum Kölns gab uns dann letzte Gewissheit, dass wir den Weg gehen
wollten und ich meldete mich nach allen bürokratischen Hürden dann in Hannover zur
Voruntersuchung an.
Unser Bekannter hat uns während der ganzen Zeit immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden
und ich bin ihm dafür sehr dankbar, denn seine Ermutigungen und Erklärungen haben uns viel
Mut gemacht.
Heute, nach sieben Monaten mit CI fühle ich mich mit den CI nicht mehr hörgeschädigt - ich
kann durch die bilaterale Versorgung auch in schwierigen Hörsituationen gut mithören und es
gibt eigentlich keine Situation in der mir bewusst wird, dass ich taub bin. Die CI haben mir mein
Leben gerettet - und das meine ich so. Und nicht nur ich bin glücklich, dass ich wieder hören
kann - auch meine Familie.
Die Jahre meiner Taubheit und der damit verbundenen Einsamkeit, der Verzweiflung, der
unerfüllten Hoffnungen "einfach wieder so" hören zu können, der Schmerz die eigenen Kinder nicht
hören oder verstehen zu können, der Verlust meines Berufes als Übersetzerin, waren, wie wir
wohl alle auf die ein oder andere Weise erfahren haben, sehr schwer - wie dankbar und glücklich ich bin nun wieder am Leben teilhaben zu können und mitLEBEN zu dürfen, können
wahrscheinlich die meisten CI-ler verstehen.
Da ich die Hilfe unseres Bekannten als so wertvoll erfahren habe, habe ich mich entschieden für
den Bereich Köln und Umgebung eine CI-SHG zu gründen. Ziel der Gruppe soll sein Mut zum CI
zu machen, als Betroffene für Betroffene da zu sein. Wir treffen uns einmal monatlich (immer der
2. Mittwoch im Monat - nicht in den NRW-Ferien) in der Lupusstr. 22 in Köln in den Räumen des
DSB, OV Köln, der uns freundlicherweise seine Räume für diesen Zweck kostenfrei zur Verfügung stellt. Jeder ist herzlich willkommen und die Beratung ist unverbindlich und kostenfrei. Die
Gruppe arbeitet autonom und Mitgliedschaft ist nicht zwingend.
Ich stehe gerne für Fragen zur Verfügung und freue mich über Zuschriften unter folgenden
Adressen:
Natascha C. Hembach
Wilhelm-Heidkamp-Straße 13
51491 Overath
Natascha@Hembach.org
Und hier ein Foto von mir:
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Stand: 06.06.2004