Michaels Ohrenseite - Erfahrungsberichte

Bericht von Marina Grebe

Michaels Ohrenseite

 

Erlebnisse mit meinem CI im Norwegen-Urlaub (19.8. – 2.9.2005)

Von Marina Grebe


Ich habe wieder eine Gruppenfreizeit der Liebenzeller Mission mitgemacht – insgesamt die fünfte (davon das dritte Mal in Norwegen). Aber erstmals mit CI. Vorher hatte ich mich mehr oder weniger schlecht mit Hörgeräten herumgeschlagen. Da ich nun mit dem Implantat wieder viel besser hören kann, war ich gespannt auf die Erlebnisse. Auch mit CI war diese Freizeit für mich eine Herausforderung, denn ich war die einzige CI-Trägerin unter 48 anderen guthörenden Teilnehmern... Aber in dieser Situation hatte ich die Gelegenheit, auf ‚Entdeckungsreise’ zu gehen. Es war für mich Hörtraining pur, und ich habe viele (neue) Hörerfahrungen und -erlebnisse gemacht.


Was alles an (Hör-)Technik und Zubehör mitgereist ist: Am Kopf habe ich natürlich meinen Sprachprozessor links und das Hörgerät rechts getragen. Im Gepäck befanden sich: Batterien (wichtig!), meine farbigen Batteriefächer, Trockenkissen, Transportbehälter für Sprachprozessor und Hörgerät, Ersatz-CI-Spule, Benutzerhandbuch, Ansteckmikrofon, Audiokabel, FM-Anlage (Sender + Empfänger) mit Adapter,... Ein guthörender Mensch hat es da einfacher: Er hat die Ohren ‚fertig und empfangsbereit’ am Kopf!


Die Kommunikationsbedingungen waren für mich oft schwierig: Hoher Geräuschpegel (Stimmengewirr/Störgeräusche), Sprecher aus verschiedenen Ecken, Dialekte der Teilnehmer,... Ich hatte daran einiges ‚zu beißen’. Aber meine Zähne sind alle intakt geblieben (!) – Ich habe die Situation einfach als Abenteuer betrachtet und viel experimentiert mit Einstellungen/Technik. Auch Hörtaktik war oft notwendig (optimalen Platz suchen usw.). Meist habe ich mich gut geschlagen. Es ist mir soweit gelungen, das Beste aus meiner Situation zu machen und für meine Bedürfnisse einzustehen.

Ich kannte zu Beginn nur wenige von den Teilnehmern. Aber ich hatte keine Probleme, mich in die Gemeinschaft einzufügen. Ich habe meinen Prozessor schön sichtbar getragen und die anderen über das Thema aufgeklärt. Viele haben großes Interesse gezeigt. Denen konnte ich natürlich eine Menge von meinen Erlebnissen mit CI erzählen. Zwei Teilnehmer wussten bereits, was ein CI ist, allen anderen war es unbekannt.

Meine Gefühle sind oft ‚Achterbahn’ gefahren. Manchmal war ich total happy, weil das Verstehen gut klappte. Dann hätte ich vor Freude Luftsprünge machen können. Das habe ich dann auch: auf dem Trampolin. Dabei hatte ich riesigen Spaß! Aber ich war manchmal auch traurig, denn es klappte nicht immer gut. Hör-Schwankungen traten auch dort auf. Meist konnte ich aber recht gut damit umgehen – ruhig und gelassen bleiben.

Zwischendurch habe ich mich auch mal überfordert. Den ganzen Tag HÖREN ist anstrengend... Aber es hat mich nicht so erschöpft wie üblich. Hin und wieder habe ich kleine ‚Hör-Pausen’ eingelegt (Prozessor ausgeschaltet). Aber lange habe ich es ohne Prozessor nie ausgehalten – ich wollte dann so schnell wie möglich wieder hören! Ich habe doch gemerkt, wie sehr ich auf die Technik angewiesen bin und auch, wie sehr sie mir hilft. Ohne Prozessor (z. B. beim schwimmen im Fjord, abends vorm Schlafengehen) war die Kommunikation schon schwierig. Da war ich einfach etwas unsicher, weil ich um mich herum nichts mehr mitgekriegt habe.


Bei unserer Gletscherwanderung habe ich den Prozessor abgesetzt (wegen wolkenbruchartigem Regen)... Auf dem Gletscher trugen wir auch alle Helme – darunter hätte ich das Gerät gar nicht tragen können. Zum Glück konnte eine Teilnehmerin etwas Gebärden. Sie hat mir manchmal gedolmetscht.

Hinsichtlich Technik habe ich beide Prozessor-Programme, den ‚Flüster-Modus’, Ansteckmikrofon sowie FM-Anlage ausprobiert und versucht, jeweils eine optimale Einstellung zu finden. Das war nicht immer einfach. Etwas Probleme bereitet hat mir die oft wechselnde Geräuschkulisse: Mal war’s laut, dann musste ich ganz leise pegeln (z. B. beim singen). Zum Verstehen von Sprache musste ich aber wieder lauter stellen. So wechselte das manchmal in rasantem Tempo. Das hat doch manchmal meine Nerven strapaziert...

Hör-Erlebnisse, über die ich mich gefreut habe:

Was noch erwähnenswert ist:


Die Zeit in Norwegen war echt toll. Wir haben so viel Schönes gesehen und erlebt. All das hat mir sehr gut getan. Mir ging es viel besser als vorher zu Hause. Ich konnte richtig auftanken und Kräfte sammeln. Dankbarkeit erfüllt mich: Ich kann wieder hören – Gott hat mich reich beschenkt!

Marina Grebe
Oktober 2005

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Stand: 03.01.2006