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Erfahrungsbericht CI
Von Kerstin Stephan
Seit meiner frühen Kindheit bin ich vermutlich auf Grund mehrerer Mittelohrentzündungen und der damit verbundenen Einnahme von Antibiotikum hochgradig schwer-hörig. Meine Eltern hatten meine Hörschädigung sehr bald vermutet, bis zur Diagnose dauerte es aber noch bis zu meinem sechsten Lebensjahr. Ungefähr ein halbes Jahr vor meiner Einschulung bekam ich Hörgeräte. In der überschaubaren Grundschule und der kleinen Klassengröße bin ich mit meinen Hörgeräten einigermaßen gut zu recht gekommen. Der Unterricht verlief überwiegend frontal. Ich saß in der ersten Reihe und konnte so den Lehrer, auch mit Hilfe von Lippenlesen, relativ gut verstehen. Auch mit meinen Mitschülern kam ich gut zurecht. Wenn Kinder miteinander spielen, brauchen sie keine Worte!
Im Gymnasium, das ich ab der fünften Klasse besuchte, änderte sich die
Situation schlagartig. Ich bekam sofort große Probleme, dem Unterricht
akustisch zu folgen. Plötzlich waren 30 Kinder in der Klasse und das
Schulgebäude war ein Altbau mit hohen Decken. Aus diesem Grund bekam ich eine
Mikroportanlage, die ich zusätzlich zu meinen Hörgeräten dringend brauchte.
Doch leider waren damit die Probleme nicht beseitigt: im Gegenteil, meine
Mitschüler konnte ich nicht verstehen und es gab auch einige Lehrer, die die
Mikroportanlage aus nicht nachvollziehbaren Gründen ablehnten.
Da die Probleme, dem Unterricht akustisch folgen zu können, immer größer
wurden, wechselte ich nach der zehnten Klasse auf das Bildungs- und
Beratungszentrum für Hörgeschädigte in Stegen bei Freiburg. Hier konnte ich
ein gutes Abitur machen. Aber nicht nur das: für mich war es wie eine
Befreiung, andere hörgeschädigte Jugendliche kennen zu lernen! Der Austausch
über das Hören, die Hörtechnik, Kommunikationsstrategien und den Umgang mit
der eigenen Behinderung ist so wichtig!
Im Studium half mir der Kontakt zu anderen Studierenden in der BHSA
(Bundesarbeitsgemeinschaft Hörbehinderter Studenten und Absolventen) weiter,
mit denen ich mich über meine Erfahrungen im Studium, technische Hilfsmittel
und das CI austauschen konnte.
Ich studierte Sonderschulpädagogik in den Fächern Hör- und
Sehbehindertenpädagogik in Heidelberg. Ich glaube, dass ich mich durch meine
eigene Betroffenheit und meine eigenen Erfahrungen besonders gut in die Kinder
und deren Familie hinein versetzen kann. Auch im Studium benutzte ich eine
Mikroportanlage, die ich dringend zum akustischen Verstehen benötigte. Doch
trotz der Hörgeräte und der Mikroportanlage war das Hören sehr anstrengend.
Von dem Cochlea Implantat wusste ich natürlich schon von dem Besuch des
Bildungs- und Beratungszentrum in Stegen. Während des Studiums habe ich mich
sehr intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt und mir immer wieder die Frage
gestellt, ob ich auch für ein CI in Frage käme. Mein Hörverlust ist auf
beiden Ohren im Tieftonbereich nur mittelgradig, doch ab 2000 Herz bin ich
gehörlos. Ich habe also einen typischen Hochtonsteilabfall. Und mein Problem
ist, dass für mich das Hören unglaublich anstrengend ist! Schon am Nachmittag
bin ich vom Zuhören müde und erschöpft, ich muss mich viel ausruhen und
regenerieren. Als ich im Studium erfahren habe, dass es die
elektrisch-akustische Stimulation (EAS) gibt, die durch das DUET von MED-El
realisiert wird, wusste ich sofort, dass ich dafür eine Kandidatin bin. Ich
suchte das Gespräch mit meinem Professor, Herrn Dr. Diller, und er bestätigte
mir sofort meine Vermutungen. Ich nahm Kontakt zum CIC in Friedberg auf und fuhr
zu einem Beratungsgespräch dort hin. Ich informierte mich sorgfältig, nahm an
einem CI-Symposium teil, suchte noch mehr Kontakt zu CI-Trägern und nach der
letzten Prüfung des ersten Staatsexamens wurde ich in Frankfurt implantiert.
Das war im September 2007. Ich fühlte mich immer in sehr guten Händen!
Nun trage ich seit fast zwei Jahren auf dem rechten Ohr das DUET von MED-EL und
auf dem linken Ohr ein Hörgerät. Das DUET kombiniert ein CI und ein Hörgerät
in einem Gerät. Mit dem CI verstehe ich die Sprache sehr gut, vor allem sehr
scharf. Ich höre nun die Vögel zwitschern, Grillen zirpen, die S-Laute der
Sprache, Automaten piepsen, das Ticken meines Lichtweckers und vieles mehr. Das
ist natürlich toll! Das Einsilberverstehen ist mit dem DUET einiges besser als
mit dem Hörgerät auf dem linken Ohr. Das Hörgerät ist dagegen für das
Hören von Musik wichtig und gibt einen "natürlicheren" Klang. Das
ist natürlich sehr subjektiv, so wie Hören individuell sehr verschieden ist.
Bis ich mit dem DUET wirklich zufrieden war, brauchte ich fast ein Jahr. Das
Hören mit CI ist doch ganz anders als mit dem Hörgerät. Es ist einfach sehr
elektrisch. Die ersten zwei Wochen hat wirklich jedes Geräusch gepiepst! Dann
wurden die Geräusche blechern und nach und nach lernte ich, die Geräusche
zuzuordnen. Intensives Hörtraining und CI-Rehabilitation sind für mich sehr
wichtig und bei einer CI-Implantation nicht wegzudenken! Sehr hilfreich waren
und sind für mich Hörbücher! Wenn ich Zeit habe, übe ich heute noch damit.
Trotzdem ist es immer noch schwer für mich, das DUET auf dem rechten Ohr mit
dem Hörgerät auf dem linken Ohr zu kombinieren. Ich merke, dass ich mit dem
DUET immer besser höre und verstehe. Mit dem Hörgerät ist mir vieles
unangenehm laut und einfach nicht klar bzw. verstehbar. Besonders in
Situationen, in denen es ruhig ist, verstehe ich mit dem DUET besser. Im
Störlärm habe ich immer noch große Probleme, akustisch zu verstehen. Es ist
sehr anstrengend und ohne Lippenlesen nicht möglich. Ich denke, dass auch
CI-Trägern klar sein muss, dass sie immer schwerhörig bleiben werden. Das CI
ist eine große Hilfe und ich bin sehr froh, dass ich mich für das DUET
entschieden habe. Trotzdem werden wir CI-Träger niemals wie guthörende
Menschen hören können. Ein CI wird niemals eine Hörbehinderung zu 100 Prozent
ausgleichen können.
Alles Gute,
Kerstin Stephan
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Stand: 12.07.2009