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Wie mein Sohn (mit
5 Jahren) zur Schwerhörigkeit kam
Von Katja Olschewsky
Am 23.06.2006 suchte ich mit meinem
Sohn Justin das erste mal den HNO auf, weil Justin wieder
Erkältungserscheinungen zeigte und sehr schlecht hörte... aus Erfahrung
dachten wir, es hätte sich wieder Flüssigkeit hinterm Trommelfell angesammelt,
die das schlechtere Hören hervorrufen würde. Doch dieses bestätigte sich
nicht... Als wir ein paar Tage später noch mal den HNO aufsuchten und er immer
noch nichts feststellen konnte, wurde ein Hörtest gemacht und die
Trommelfellschwingungen wurden auch kontrolliert... Beides fiel nicht besonders
gut aus...
Da der HNO noch gerne ein weitere Woche warten wollte, womit wir aber nicht einverstanden waren, wechselten wir auf Rat unseres Kinderarztes den HNO... Der stellte Justin auf den Kopf... diverse Tests wurden gemacht... keiner fiel gut aus, so dass er uns gleich eine Überweisung in die Hand drückte für das Krankenhaus in Bremen. Wir mussten am gleichen Tag noch anreisen... dort wurde Justin auch wieder auf den Kopf gestellt... auch MRT und MRI wurden gemacht... alles ohne Befund... Paukenröhrchen setzten sie ihm noch ein, die natürlich aber überhaupt nichts brachten...
Wieder zu Hause durften wir ein paar Tage später auch in unser örtliches
Kinderkrankenhaus für mehrere Tage, in dem Justin dann auf einen Hörsturz mit
Infusionen und Cortison behandelt wurde... ihm wurde Hirnwasser entnommen, EEG
musste er machen und alles mögliche... doch alles fiel wieder ohne Befund
aus.... so dass wir erneut nach Bremen mussten... dieses mal aber zu einem HNO
und nicht ins Krankenhaus... im Prinzip hätten wir uns die Fahrt sparen
können, denn dass was der gemacht hat, wurde schon längst alles von unserem
HNO gemacht... das einzige was er dann gemacht hat war noch, dass er uns einen
Termin in der Medizinischen Hochschule Hannover geholt hat... Justin sollte also
ein CI bekommen... zuvor hatte er ja schon Hörgeräte beidseitig bekommen, die
aber leider nur minimal was brachten... eigentlich so gut wie gar nichts...
CI was ist das...? Tagelang haben wir
uns Quer durchs Netz gelesen... haben unseren HNO gelöchert... alles was wir an
Info fanden, haben wir in uns rein gesogen... wir wollen ja nur das Beste für
unseren Sohn... und somit, als wir genug Infos intus hatten, haben wir uns dazu
entschieden...! Justin soll ein CI bekommen...
Also hieß es für uns am 06.09.2006
auf nach Hannover in die MHH... dort begann dann das Gerenne... Blutabnahme...
Narkosegespräch usw. da Justin am nächsten Tag ja unter Narkose gesetzt werden
sollte... seine Cochlea sollte getestet werden... Ist sie in Ordnung kann Justin
ein CI bekommen... wenn nicht... na ja ihr wisst es ja... ich habe gezittert
ohne Ende... und das ganz alleine... zumindest in Hannover... mein Mann musste
Arbeiten... Schwiegereltern kümmerten sich um den Kleinen... Drei Stunden
dauerte die Untersuchung... für mich waren sie der reinste Horror...
Und jetzt hieß es warten bis zum
nächsten Tag, an dem die Ergebnisse dann vorliegen... dabei war mein Mann Gott
sei Dank an unserer Seite... und uns fiel ein riesiger Stein vom Herzen, da
Justin ein CI implantiert bekommen kann... das war ja immerhin die letzte
Chan-ce, dass Justin wieder hören kann...!
Und danach ging alles ganz schnell... keine 4 Wochen später waren wir schon wieder auf den Weg in die MHH... zur Implantation... die OP dauerte fünf Stunden... die längsten fünf Stunden in meinem ganzen Leben... ich glaube, soviel habe ich aus Angst noch nie geweint... doch wieder ging Gott sei Dank alles gut... Justin wurde rechts implantiert... wir hatten eine beidseitige Implantation beantragt... die doch aber abgelehnt wurde... Einseitig... gut... besser wie nichts... somit hatten wir das dann auch hinter uns... :-)
Wieder vergingen knapp vier Wochen, nach denen wir uns wieder auf die Reise zur
Erstanpassung machen mussten... nun ging alles ganz zügig... warum auch immer
man drei Tage bleiben muss... *seufz* na ja... so soll es sein und als wir nach
den 3 Tagen wieder zu Hause waren, hatten wir auch gerade mal zwei Tage zum
Verschnaufen... denn wir hatten einen Termin zur Reha in Werscherberg für fünf
Tage...
Seitdem fahren wir regelmäßig nach
Werscherberg... so alle 2 - 3 Monate für jeweils 5 Tage ...!
Eineinhalb Jahre sind jetzt vergangen
seit dem ersten Besuch beim HNO und wir haben mittlerweile die Reha fast
abgeschlossen... drei Termine stehen noch aus... und Ende Juni haben wir es dann
geschafft und sind fertig...!
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Bis heute wissen wir leider noch
immer nicht, warum Justin überhaupt ertaubt ist... warum er sein Hörvermögen
verloren hat... dies ist für meinen Mann und auch für mich sehr schwer... ich
denke, wir könnten "einfacher" damit Leben, wenn wir den Hintergrund
kennen würden... somit leben wir jeden Tag voller Angst, ob unser Jüngster
verschont bleibt.
Manche Ärzte wollten uns glaubhaft
machen, dass Justin von Geburt an taub gewesen wäre... ja nee ist klar...
Fünfeinhalb Jahre lang, konnte er normal hören... hat normal sprechen gelernt
und alles... mit dieser Erklärung wollte ich mich nicht abfinden, zumal das
überhaupt nicht angehen kann...
Leider ist alles nicht rückgängig
zu machen und wir sind überglücklich, dass es die Möglichkeit CI gibt, Justin
das Hören zu ermöglichen...! Oft bin ich/wir auf taube Ohren gestoßen... es
flogen Sätze wie "wie könnt ihr eurem Sohn das nur antun" usw. Da
schüttele ich nur noch mit dem Kopf... denn keiner von denen weiß, was er
alles durchmachen musste, dass er überhaupt wieder hören kann... denn ich
denke, wenn man zuvor nie was hatte und immer gut hören konnte, ist das ein
Weltuntergang, wenn es von einem Tag auf den anderen nicht mehr so ist...!
Justin ist jetzt sechs Jahre alt...
er wird im Februar sieben... er ist ein sehr glückliches und aufgewecktes
Kind... den Umgang mit seinem CI hat er sofort gut drauf gehabt und hat es auch
von Anfang an akzeptiert... seit August letzten Jahres besucht er die 1. Klasse
einer ganz normalen Grundschule und ist stolz wie Oskar... :-)
Justin ist rechts mit dem CI versorgt
und links trägt er weiterhin sein Hörgerät... bisher sagen wir, das wir ihn
links nicht versorgen lassen... er hat in den letzten 1,5 Jahren einfach zuviel
mitmachen müssen... ABER... sollte Justin es sich wünschen, dass er auch links
ein CI implantiert haben möchte, werden wir ihm keine Steine in den Weg legen
und ihn natürlich unterstützen...!
Bremerhaven, den 04.01.2008
Katja Olschewsky
Wenn Sie mir schreiben möchten: katja.olschewsky@nord-com.net
Anbei ein Foto von Justin bei der Einschulung:

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Stand: 06.01.2008