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Mein CI - Tagebuch - Erfahrungsbericht
Nach langem Warten, Zögern und Abwägen habe ich mich Ende vergangenen Jahres zur Cochlear-Implantation für mein linkes Ohr entschieden.
Im Laufe der vergangenen 20 Jahre habe ich 8 Hörstürze und einen
beidseitigen Tinnitus zu meistern versucht; es war oft harte Arbeit, verbunden
mit Ängsten und Depressionen.
Gründe für die vielen Hörstürze waren sicher beruflicher und persönlicher
Stress. Dazu kommt vermutlich noch ein ototoxischer Hörschaden, hervorgerufen
durch Neomycin und hochdosiertes ASS.
In meiner dritten Reha, in der Bosenbergklinik St. Wendel, lernte ich im Oktober
2007 Herrn Bellagnech - ein hervorragender Techniker auf dem Gebiet der
CI-Einstellung und ein äußerst einfühlsamer Mensch - kennen. Durch mehrere
Gespräche mit Herrn Bellagnech war ich dazu entschlossen, einer
CI-Voruntersuchung in Homburg/Saar zuzustimmen. Bei dieser Voruntersuchung
lernte ich auch Prof. Bloching kennen, der ein sehr erfahrener Operateur auf
diesem Gebiet ist. Nach einem ausführlichen Gespräch mit Prof. Bloching und
den eindeutig dokumentierten Hör- und Sprachergebnissen entschied ich mich für
ein CI auf dem linken Ohr, da dieses das schlechtere von beiden ist.
Heute ist der 16.01.2008 - mein Aufnahmetermin.
Bevor ich zur Aufnahme für stationäre Behandlungen gehe, begrüße ich Frau
Heinrich, Audiologin hier im Hause. Sie hatte im Vorfeld schon alles gemanagt,
wofür ich ihr sehr dankbar bin.
Ich stelle ihr meinen Mann vor und sie erläutert mir den heutigen Tagesablauf,
welche Untersuchungen in welcher Reihenfolge anstehen.
Nach der Patientenaufnahme - die sich aufgrund der hohen Anzahl der
Formalitäten etwas hinzieht - muss ich zunächst zur Logopädin, Frau Haindl.
Sie ist mir auf Anhieb sympathisch. Besonders weist sie mich darauf hin, dass
ich meine Erwartungen bezüglich des Hörens nach der CI-Implantation
herunterschrauben soll. Dies ist mir allerdings schon bekannt, denn auch Herr
Bellagnech und Prof. Bloching sowie die meisten CI-Träger berichten davon, und
es ist auch für mich kein Problem. Ich bin aber schon sehr gespannt, welche
Hörerlebnisse auf mich zukommen werden, nachdem die erste
Sprachprozessor-Anpassung, vier Wochen nach der OP, stattfindet. Auch dann und
in den darauffolgenden Monaten werde ich mich mit kleinen Erfolgen zufrieden
geben.
Das Hörtraining wird zunächst hier in der HNO-Klinik bei der Logopädin
stattfinden, und die Einstellungen des Sprachprozessors wird Frau Heinrich
vornehmen. Beide werden noch sehr wichtige Bezugspersonen für mich werden.
Mit OA Dr. Buchinger (Anästhesist) hatte ich zuvor auch ein gutes
Vorgespräch, und er wird mir morgen die Narkose geben. Prof. Bloching schaute
sich auch noch mal mein linkes Ohr an und sagte, es würde nur ein sehr kleiner
Schnitt werden. Er fragte mich, ob ich aufgeregt bin, bin ich aber eigentlich
nicht, nur sehr gespannt, was so alles auf mich zukommt.
Heute Abend bekomme ich eine Tabl. Valium zum Schlafen und morgen früh eine
Tabl. Dormicum, falls ich vielleicht doch noch etwas aufgeregt bin.
Donnerstag, 17.01.2008 - Heute ist mein OP-Tag!
Ich sollte um 06.00 Uhr geweckt werden, bin aber schon etwas früher wach. In
der vergangenen Nacht bin ich trotz einer Tabl. Valium öfter aus dem Schlaf
erwacht. Um 06.45 Uhr muss ich eine Tabl. Dormicum einnehmen, diese Tabl. ist
zur Beruhigung vor der OP.
Gegen 07.00 Uhr werde ich in den OP-Vorraum gefahren. Hier empfängt mich eine
sehr nette Anästhesie-Schwester.
Ich muss mich auf einem schmalen Bett hinlegen. Beide Arme werden auf einer
Schiene fixiert. Der linke Arm wird für die Vitalfunktionen an den Monitor
angeschlossen. Der OA Dr. Buchinger legt mir an der rechten Hand eine Braunüle
als Zugang für die Infusionen während der OP. Anschließend bittet er mich, in
die Maske zu atmen, was ich auch ganz ruhig tue, ich habe keine Angst.
Schnell werde ich müde und schläfrig und dann weiß ich nichts mehr.
Im Aufwachraum werde ich wieder wach, und mein erster Blick fällt auf die
Wanduhr. Sie zeigt 11.50 Uhr an. Dann bemerke ich rechts vor mir einen
Anästhesiepfleger. Er fragt mich, ob ich Schmerzen habe? Ich antworte ihm:
"Schmerzen habe ich keine, aber auf der operierten Seite vernehme ich einen
sehr starken Tinnitus, ein lautes Rauschen!" Es sagt mir: "Da müssen
sie nachher einen Arzt fragen!" Nun kommen zwei Schwestern von der Station
und fahren mich in mein Zimmer.
Ich schlafe immer wieder ein, bemerke aber, dass in regelmäßigen Abständen
Blutdruck und Puls gemessen werden. Am Anfang ist der Blutdruck normal 120/80,
Puls 80. Später, mit Beginn der Schmerzen steigt der Blutdruck auf 160/80, Puls
96. Ich bekomme ein blutdrucksenkendes Medikament und Tramal-Tropfen, gegen die
starken Schmerzen. Die Schmerzen halten aber an und werden immer stärker. Auch
eine beständige Übelkeit quält mich. Mein Mann kommt und setzt sich zu mir.
Viel können wir nicht miteinander reden, da ich immer wieder einschlafe.
Am späten Nachmittag kommt Prof. Bloching zur Visite mit sehr vielen Kollegen
und fragt ,wie es mir geht. Ich berichte von der Übelkeit und von den starken
Wundschmerzen und bitte ihn um Voltaren, ein anderes Schmerzmittel, welches mir
nach einer früheren HNO-OP gut geholfen hatte. Dies bewilligt er auch sogleich,
sowie Vomex A, gegen die anhaltende Übelkeit. Langsam lässt diese nach, aber
auch auf Voltaren gehen die Schmerzen nicht zurück. Auf Ersuchen meines Mannes
wird mir dann am Abend Novalgin als Infusion verabreicht, und diese hilft dann
endlich. Jetzt verabschiedet sich auch mein Mann von mir und geht in sein
nahegelegenes Hotel, wo er sich für zwei Tage einquartiert hat.
Gegen 24.00 Uhr bitte ich den Nachtpfleger, den stramm sitzenden Druckverband am Kopf etwas zu lockern. Danach lässt der Druckschmerz etwas nach.
Das Aufstehen am Mittag nach der OP, mit Hilfe von zwei Schwestern, hat
problemlos geklappt. Ich hatte keinen Schwindel, konnte gleich Urin lassen.
Auch Geschmacks- und Gesichtsnerv sind vollkommen intakt. Ich bin darüber sehr
erleichtert.
Freitag, 18.01.2008
Ich kann ohne Hilfe zur Toilette gehen und mir meine Zähne putzen. Allerdings fühle ich mich noch etwas schwach.
Die Stationsärztin kommt zur Visite und erklärt mir, dass sie den Reha-Antrag für die Bosenberg-Klinik in St. Wendel schon an meine Krankenkasse stellen will, damit es keine Verzögerungen gibt. Anschließend bekomme ich von Frau Heinrich ( Audiologin) den ersten Termin für die Erst-Anpassung des Sprachprozessors. Es ist der 18.02.2008, ein Montag.
Da ich von weiter her komme, werde ich für drei Tage stationär aufgenommen.
In diesem Zeitraum werde ich auch die ersten Termine bei der Logopädin, Frau
Haindl, haben. Sie arbeitet eng koordiniert mit Frau Heinrich zusammen. Auch
wurde heute eine Kontroll-Röntgen-Aufnahme gemacht, ob das Implantat gut sitzt.
Gegen 15.00 Uhr kommt Prof. Bloching zur Visite und erkundigt sich nach meinem
Befinden. Ich sage ihm, dass ich nur noch leichte Schmerzen habe, aber der
Tinnitus auf dem linken, operierten Ohr wieder lauter geworden ist. Prof.
Bloching bestätigt, dass dies nach einer CI-OP häufig der Fall ist und im
Laufe der Zeit eine Verringerung eintritt.
Am Sonntag kann ich entlassen werden, aber er möchte am Donnerstag noch mal
nach meiner Narbe sehen.
Mein Mann ist heute Mittag wieder nach Hause gefahren und holt mich am
Sonntag ab.
Samstag, 19.01.2008
Für die Nacht lasse ich mir eine Tbl. Voltaren gegen die noch bestehenden
Schmerzen und Abschwellung geben.
Nach der Einnahme der Tbl. wird der Tinnitus immer lauter und fast
unerträglich. Es hört sich an, als ob ich neben einem riesigen Wasserfall oder
inmitten einer großen Brandung stünde. Trotzdem melde ich mich nicht bei der
Nachtschwester, immer noch hoffend, dass der laute Tinnitus abklingen möge. Ich
schlafe entsprechend schlecht, und wenn ich schlafe, habe ich Alpträume und
wache schweißgebadet auf. Dies halte ich so nicht länger aus.
Einem Pfleger vom Frühdienst teile ich dann endlich meine starken Beschwerden
mit. Er gibt es an den diensthabenden Arzt weiter, der dann auch gleich zu mir
zur Visite kommt. Ich erkläre ihm, dass ich durch mehrfache Hörstürze bereits
seit 20 Jahren mit Tinnitus auf beiden Ohren lebe. Diese Geräusche waren noch,
im Gegensatz zum jetzigen ohrenbetäubenden Brausen, zu ertragen.
Der Arzt untersucht mich gleich und stellt eine Schwellung im Mittelohr fest, da
bei der CI-OP eine Öffnung gebohrt werden musste, um die Elektroden in das
Innenohr (Cochlear) schieben zu können. Sofort verordnet mir der Arzt ein
abschwellendes Nasenspray (3 x tgl) und eine Cortison-Infusion. Langsam beruhigt
sich der Tinnitus, wird leiser und erträglicher, so wie ich es immer gewohnt
bin.
Ich bin dem diensthabenden Arzt und dem Pflegepersonal sehr, sehr dankbar
für ihre Hilfe.
Ich bin sehr erschöpft, liege viel und ruhe mich aus.
Mein Mann wird zuhause telefonisch informiert, dass ich wegen der Infusionen mit
Cortison morgen noch nicht entlassen werden kann.
Am Abend erhalte ich für 22.00 Uhr eine Tbl. Adumbran zum Schlafen. Ich kann
diese Nacht, bei einem erträglichen Tinnitus, gut schlafen.
Sonntag, 20.01.2008
OA Dr. Weiß kommt zur Visite und erkundigt sich nach meinem heutigen
Befinden.
Ich berichte ihm, dass es mir seit der Cortison-Infusion wesentlich besser geht
und danke ihm nochmals sehr für seine gestrige Hilfe. Ich bekomme nun für die
nächsten Tage noch weitere Cortison-Infusionen und abschwellendes Nasenspray.
Da mich mein Mann erst am Dienstag, 22.01.08., abholen kann, legt OA Dr. Weiß gemeinsam mit dem Stationspfleger diesen Tag als Entlassungstermin fest. Ich denke, bis dahin fühle ich mich auch entsprechend gestärkt. Die Wundschmerzen sind jetzt auch ohne Schmerzmittel erträglich. Aber der Fremdkörper sowie die Elektrode im Innenohr sind deutlich spürbar. Es ist ein seltsam stechendes Gefühl, aber ich denke, dass sich das mit der Zeit gibt und ich schon bald nichts mehr davon merke.
Am Dienstag, vor meiner Entlassung soll das Klebepflaster am Kopf noch mal überprüft werden, so dass ich nicht noch mal in die Uniklinik fahren muss.
Dieses Klebepflaster ist n e u auf dem Markt. Es ersetzt eine Wundnaht, somit müssen auch keine Fäden mehr gezogen werden. Außerdem löst es sich mit der Zeit von alleine auf.
Am Abend werden meine Schmerzen im operierten Ohr stärker. Es ist jetzt
nicht mehr nur ein stechender Schmerz, sondern ähnlich wie bei einer
Mittelohrentzündung. Ich bitte die Schwestern um eine Konsultation des
diensthabenden Arztes.
Der Arzt schaut sich auch gleich das Ohr an und sieht eine Ansammlung von
seröser Flüssigkeit hinter dem Trommelfell. Er beginnt gleich mit einer
Antibiose. Ich bekomme noch um 21.00 Uhr eine Cps. Antibiotikum und lege mich
dann gegen 22.00 Uhr schlafen.
In der Nacht lassen die Ohrenschmerzen etwas nach und ich kann mit kurzer
Unterbrechung relativ gut schlafen.
Montag, 21.01.2008
Gegen 07.00 Uhr kommt eine Schwester und bringt mir für den gesamten Tag
vier Tbl. Antibiotikum. Um 07.30 Uhr ist Visite mit PD OA Dr. Naumann. Er
erklärt mir, dass es nach einer CI-OP normal ist, dass sich Blut und seröse
Flüssigkeit hinter dem Trommelfell im Mittelohr ansammelt. Normalerweise
resorbiert es sich von selbst, kann aber auch solche Beschwerden verursachen,
wie ich sie habe. Um aber auf jeden Fall eine Infektion zu vermeiden, wird zur
Vorsicht eine Antibiose angesetzt. OA. Dr.Naumann will sich später mein Ohr
ganz genau anschauen,was mich sehr beruhigt.
Es wird bei der Untersuchung festgestellt, dass sich dunkelrotes Blut hinter dem
Trommelfell im Mittelohr weiterhin angesammelt hat. Dies wird unter der
Antibiose-Therapie am Mittag wieder kontrolliert.
Dienstag, 22.01.2008
Gleich gegen 07.30 Uhr werde ich von OA Dr. Naumann untersucht. Er bestätigt noch vorhandenes, dunkles Blut, hinter dem Trommelfell. Außerdem besteht noch ein Hämatom unter der Kopfhaut, an der Stelle, an der das Implantat eingesetzt wurde. Diese Befunde bestätigen auch, dass ich trotz laufender Behandlung mit Cortison-Infusionen und hochdosierter Antibiose immer noch Ohrenschmerzen habe, die aber leicht rückläufig sind. OA Dr. Naumann sagt, dass ich morgen entlassen werde, allerdings weiterhin bis zu 10 Tage Cortison-Tbl. und Antibiotika einnehmen muss. Ich freue mich, morgen nach Hause fahren zu können und bitte einen Krankenpfleger, meinen Mann anzurufen und zu informieren. Ich werde heute die Zeit nutzen, um einige wichtige Termine bezüglich Nachsorgebehandlungen zu erledigen.
Gegen 14.00 Uhr kommt Frau Höhle vom Sozialdienst und füllt mit mir gemeinsam den Reha-Antrag für die Bosenberg-Klinik aus.
Heute scheint das erste Mal den ganzen Tag die Sonne. Ich öffne das Fenster,
schließe die Augen und lasse die Ereignisse der vergangenen Woche an mir
vorüber ziehen. Dabei erinnere ich mich an einen für mich sehr eindrucksvollen
Spruch, den ich vor etwa einem Jahr von einer lieben Kollegin mit einer
Geburtstagskarte bekommen habe.
Er lautet:
"Trau dich!"
Wenn du etwas wagst, kannst du etwas verlieren.
Wenn du nichts wagst, wirst du bestimmt etwas verlieren.
Das größte Risiko ist es, nichts zu tun.
Robert Joizueta
Dieser Spruch wurde zu meinem Leitspruch, während meiner
Entscheidungsfindung zu einem Cochlear-Implantat im vergangenem Jahr.
Ich habe unglaublich viel mentale Unterstützung von meiner Familie und auch von
Freunden vor der Operation erhalten. Ihr Zuspruch hat mir sehr geholfen, keine
Ängste mehr zu haben.
Mittwoch, 23.01.2008
Heute ist mein Entlassungstag!
Genau eine Woche nach meiner Aufnahme.
Um 07.00 Uhr bekomme ich noch eine Cortison-Infusion. Danach kommt die
Stationsärztin und erklärt mir die weitere Medikation für Zuhause.
Das Antibiotikum nehme ich noch bis heute abend, danach ist die Antibiose
abgeschlossen. Das Cortison soll als Tbl.-Einnahme noch einige Tage
weiterlaufen, die Dosis wird aber immer niedriger. Außerdem soll ich ab heute
abend täglich eine Tbl. zur Vorsorge gegen Magenbeschwerden einnehmen, da diese
oft in Kombination von Cortison auftreten können. Für die verordneten
Medikamente erhalte ich ein Privatrezept, mit den ich noch am selben Tag in die
Apotheke gehe.
Außerdem erhalte ich einen Arztbrief für meinen HNO-Arzt Dr. Mursch.
Morgen darf ich auch endlich meine Haare waschen! Das Klebepflaster muss sich
von alleine lösen. Nach meinem Verbandswechsel rät mir Sr. Barbara tagsüber
Zuhause auch mal den Verband wegzulassen. Wenn ich aber spazieren gehe und
nachts soll ich ihn zum Schutz noch tragen.
Vor meiner Entlassung wird Prof. Bloching noch einmal mein Ohr anschauen.
Montag, 18.02.2008
Vor vier Wochen wurde ich operiert und heute habe ich meinen ersten
Einstellungs- und Anpasstermin für den Sprachprozessor.
Bei der Anmeldung zur stationären Aufnahme geht es heute auch relativ zügig
voran, da meine Patientendaten bereits vorliegen. Anschließend muss ich zur
Blutentnahme. Danach begebe ich mich auf die Station 6, wo ich schon als
bekannte Patientin begrüßt und empfangen werde.
Die Audiologin, Frau Heinrich, begrüßt mich sehr freundlich und beginnt
sogleich mit den ersten Grundeinstellungen. Sie erklärt mir vorab, dass ich ihr
die von mir empfundenen leisesten, noch hörbaren Töne sowie die lautesten,
unangenehm hörbaren Töne signalisieren solle. Diese Daten werden von ihr im PC
gespeichert. Nun ist der Sprachprozessor eingestellt und Frau Heinrich fragt
mich, ob ich sie höre. Ich bejahe, aber ich höre nun zusätzlich Töne in
meinem Ohr, während ich spreche oder von jemand angesprochen werde. Das hört
sich sehr eigenartig an. Z.B.: Man spricht ins Telefon, und die eigene Stimme
kommt zurück.
Diese erste Einstellung wird nun in meine Fernbedienung - Fine tuner -
programmiert
(I. Progr.). Anschließend habe ich einen Termin bei der Logopädin, Frau Haindl.
Ich kenne sie auch bereits von vor vier Wochen. Sie begrüßt mich sehr
freundlich und fragt mich gleich, wie es mir mit dem eingestellten
Sprachprozessor geht. Es ist ein recht lockeres Gespräch, zumal ich dabei noch
mein Hörgerät auf dem anderen Ohr eingeschaltet habe. Nun bittet mich Frau
Haindl, das Hörgerät auszuschalten und abzulegen. Sie liest mir zunächst
Zahlen vor, die ich nachsprechen soll, wobei ich sie noch anschauen darf. Ich
verstehe 100 % aller Zahlen! Nun darf ich sie nicht mehr anschauen und blicke
auf den Tisch vor mir, während sie mir Zahlen vorliest. Davon verstehe ich
jetzt
50 % richtig und von den anderen 50 % immer nur jede zweite Zahl. Frau Haindl
sagt, dass dies für den Anfang schon sehr gut ist. Sie bittet mich noch ,für
morgen zu dokumentieren, welche neuen Höreindrücke ich gemacht habe.
Notiert habe ich:
- vom Zimmer aus durch die verschlossene Tür Schritte auf dem Flur gehört
- beim Spazierengehen naht ein Auto von weit hinten
- ich höre Schritte auf dem Asphalt
Am Nachmittag macht Frau Heinrich die zweite Einstellung, in dem die Lautstärke etwas nach oben gesetzt wird, aber immer noch angenehm klingt. Dies wird als zweites Programm auf dem Fine tuner gespeichert.
Bis jetzt habe ich keine persönlichen Feinabstimmungen oder Veränderungen
auf meiner Fernbedienung vornehmen müssen.
Es ist fast 17.30 Uhr und nun bin ich etwas erschöpft von dem aufregenden,
ereignisreichen Tag und freue mich auf das Abendessen.
Danach lese ich aufmerksam die wichtigen Gebrauchsanweisungen meines Gerätes
MED-EL durch und relaxe ein wenig.
Morgen, nach dem Frühstück, habe ich die nächsten Termine bei Frau Heinrich
und Frau Haindl, 08.15 Uhr und 09.00 Uhr!
Dienstag, 19.02.2008
Pünktlich um 08.15 Uhr bin ich bei Frau Heinrich. Sie fragt gleich, wie ich
mit der letzten Einstellung klar gekommen bin.
Ich erkläre ihr ,dass ich meine, ihre Stimme etwas zu leise zu hören. Sie
versucht ,dies bei einer erneuten Einstellung zu verändern und ihre Stimme
etwas mehr hervorzuholen, das Nachhallgeräusch im Sprachprozessor aber nicht
allzu stark zu erhöhen. Wir wollen diese Einstellung dann probeweise an diesem
Tag belassen und Frau Heinrich programmiert sie im Fine tuner auf Programm I und
belässt aber die vom vergangenen Tag auf Programm II.
Nun habe ich diese beiden Möglichkeiten zu testen, und zusätzlich kann ich
noch die Empfindlichkeitstasten für das Mikrofon im Fine tuner verändern.
Um 09.00 Uhr treffe ich mich mit der Logopädin, Frau Haindl, und es findet ein
relativ lockeres ˝ Std. Gespräch statt.
Wir vereinbaren für 15.00 Uhr ein zweites Treffen.
Bei diesem Treffen werden diverse Hör- und Sprachtrainings gemacht, bei denen
ich kein Hörgerät auf dem anderen Ohr tragen darf, sondern nur über den
Sprachprozessor höre. Anfangs muss ich Zahlen nachsprechen, wobei ich die
Logopädin anschauen darf. Ich verstehe zu 100 %. Als nächstes muss ich wieder
gehörte Zahlen nachsprechen, aber diesmal ohne Frau Haindl dabei anzusehen.
Diesmal verstehe ich, wie am Vortag, 50 % richtig und bei den anderen 50 % nur
jede zweite Zahl. Nun muss ich Wörter - also Einsilber - nachsprechen, was auch
mit Hilfe des Mundbildes von Frau Haindl relativ gut gelingt, aber nicht mehr
beim wegschauen. Hierbei verstehe ich alle Wörter falsch und auch die
nachfolgenden Sätze.
Das deprimiert mich natürlich, doch Frau Haindl findet dies am Anfang als
völlig normal. Sie sagt, dass ich noch fleißig Konsonanten üben soll, dann
wird es nach und nach besser.
Mittwoch, 20.02.2008
Heute Nacht bin ich häufig aufgewacht. Das Hörtraining vom Nachmittag ging
mir ständig durch den Kopf. Ich weiß, dass ich viel zu hohe Ansprüche für
den Anfang an mich stelle, dies wurde mir auch bereits von meinen Therapeutinnen
bestätigt. Für Beide habe ich schon recht gute Erfolge erzielt, dies wurde
auch heute früh, um 07.00 Uhr, bei der Visite, durch den Stationsarzt
bekräftigt. Daraufhin war ich beruhigt! Um 08.30 Uhr wurde nur mit dem CI ein
Hörtest gemacht, ohne Hörgerät auf dem anderen Ohr. Der Test ist sehr gut
ausgefallen. Ich höre mit CI zwischen 40 - 50 Dezibel! Vorher hatte ich einen
Steilabfall bis 110 Dezibel. Das war wieder ein guter Teilerfolg. Frau Heinrich
stellt den Sprachprozessor noch etwas nach. Die nächsten zwei Wochen soll ich
nun das erste und das zweite Programm testen und beim nächsten Termin, am 3.
und 4. März von meinen Erfahrungen berichten.
Anschließend habe ich bei Frau Haindl Hörtraining mit Vokal- und
Konsonantenübungen, was ich auch Zuhause intensiv trainieren soll.
Sonntag, 02.03.2008
Nun habe ich fast zwei Wochen mit dem CI Erfahrungen gesammelt. Nach relativ
kurzer Zeit habe ich den Nachhall immer weniger empfunden und kann nun im
normalen Gespräch gut kommunizieren.
Besonders erfolgreich empfand ich die vielen neuen Höreindrücke. Z.B.: höre
ich wieder die Vögel zwitschern, den Blinker im Auto ticken, das Wasser im
Brunnen unseres Gartens plätschern, die Gläser klirren usw.. All diese hohen
Töne höre ich wieder mit CI; ich kann gar nicht genug davon bekommen. Immer
wieder muss mein Mann mir zuprosten, Gläser anstoßen, so schön hell klingt
das jetzt. Früher vernahm ich nur einen dumpfen Ton.
In den zwei vergangenen Wochen hat mein Mann täglich mit mir Vokale und
Konsonanten geübt. Mit Blickkontakt verstehe ich mittlerweile alles, nur ohne
Blickkontakt bestehen noch bestimmte Probleme. Besonders mit ü, ö, oi, ai, e
Ä, S-B-A, A-D-A, A-G-A, A-P-A, A-T-A, A-K-A. Diese Vokale und Konsonanten kann
ich kaum voneinander unterscheiden. Aber ich denke, mit den nächsten
Feineinstellungen des Sprachprozessors und ständigem Üben wird es besser.
Gestern hat meine Tochter angerufen und von ihrem schönen Urlaub berichtet.
Dabei hatte ich wieder mit dem Verstehen mit dem nicht operierten Ohr ein
negatives Erlebnis. Ich bekam wieder einen Schweißausbruch und war deprimiert.
Aber zum Glück hielt dieser Zustand nicht mehr so lange wie früher an. Ich
kann immer besser mit meinen Schwächen umgehen. Mit der Zeit werde ich mit CI
über Sprachprozessor zu telefonieren üben. Vielleicht habe ich damit Erfolg.
Es wäre zu schön!
Morgen fahre ich wieder nach Homburg/Saar in die Uniklinik zum Sprach- und Hörtraining sowie zur erneuten Sprachprozessoreinstellung.
Montag, 03.03.2008
Mein erster Termin bei der Logopädin ist um 11.00 Uhr angesetzt. Nach einem
lockeren Gespräch erkundigt sich die Logopädin nach meinen Höreindrücken in
den vergangenen zwei Wochen.
Sie wollte bewusst erst mit dem Hör- und Sprachtraining beginnen, nach dem Frau
Heinrich die Sprachprozessor-Neueinstellung vorgenommen hat. Dies erfolgt auch
gegen 12.00 Uhr. Frau Heinrich hat noch mal in den hohen Frequenzen mehr
Lautstärke programmiert, da ich angegeben habe, leise und helle Stimmen zu
schwach zu hören. Morgen früh, gegen 08.15 Uhr, soll ich von dieser
Veränderung berichten.
Ab 13.00 Uhr übe ich mit Frau Haindl (Logopädin) über 1 Std. intensiv Vokal- und Konsonantenunterscheidungen im Wort. Auf einem DIN A4 Blatt befinden sich jede Menge Wörter. Frau Haindl liest immer zwei davon vor, und ich muss sie heraushören und nachsprechen, darf aber auf das Blatt schauen. Dies klappt bis auf wenige Ausnahmen sehr gut und macht mir viel Spaß. Ich bin richtig enttäuscht, als wir damit aufhören. Ich denke, die neue SP-Einstellung im Hochtonbereich hat für mich ein klares, scharfes Hören beim Silbenverstehen bewirkt.
Es ist jetzt 15.00 Uhr, für heute bin ich mit meinem Programm fertig und
werde jetzt mal etwas Spazieren gehen und auf Hörveränderungen achten. .
Soeben erfahre ich von einer Krankenschwester, dass die Sozialarbeiterin, Frau
Höhle, noch heute ein Fax bezüglich meiner bevorstehenden Reha schicken will.
Der Faxbericht ist sehr erfreulich. Frau Höhle hat für mich mit der
Bosenberg-Klinik in St. Wendel einen Aufnahmetermin für den 08.04.2008
vereinbart.
Dienstag, 04.03.2008
Prof. Bloching erkundigt sich nach meinen Hörerfolgen und ist nach so kurzer
Zeit (erst zwei Wochen nach der ersten SP-Einstellung) sehr zufrieden. Auch die
zügige Reha passt sehr gut in den Zeitplan für einen guten Hörerfolg und
weitere Hörentwicklung.
Die nächsten beiden Tage werden für den 26. und 27.03.2006 festgelegt, und ich
fahre wieder nach Hause.
Mittwoch, 26.03.2008
Heute fahre ich zur dritten Sprachprozessor-Einstellung nach Homburg/Saar. Um
13.00 Uhr habe ich den ersten Termin zum Hörtest bei Frau Heinrich. Er fällt
ziemlich gut aus, ich höre jetzt hohe und tiefe Töne bei 40 Dezibel. Das ist
schon recht gut.
Frau Heinrich sagt, dass man im besten Fall ein Jahr nach CI-OP zwischen 20 - 30
Dezibel hört. Also, denke ich, da habe ich doch gute Chancen!
Anschließend besprechen wir die folgenden Neueinstellungen. Um ein deutlich
klares und scharfes Sprachverstehen zu erzielen, werden die leisen und hohen
Töne nochmals verstärkt programmiert. Mit dieser Einstellung gehe ich um 14.00
Uhr zur Logopädin. Sie begrüßt mich sehr herzlich und unterhält sich erst
einmal mit mir über die vergangenen letzten drei Wochen. Ich berichte, dass
mein Mann fast täglich mit mir geübt hat und es immer besser geht mit dem
Sprachverstehen von Einsilbern ohne Blickkontakt und ohne Hörgerät auf dem
rechten Ohr. Ich muss mich dabei sehr stark konzentrieren. Frau Haindl sagt,
dass das Hören mit CI mit viel Übung im Laufe der Zeit wesentlich entspannter
wird. Nun spricht sie mir Zahlen vor, ich muss wegsehen und nachsprechen. Ich
verstehe 50 % der Zahlen richtig und von den anderen 50 %, nur jede zweite Zahl.
Anschließend muss ich Wörter nachsprechen, die ich diesmal mit der neuen
SO-Einstellung besser höre und nachspreche als vorher. Nun spricht Frau Haindl
ganze Sätze und von zehn Sätzen verstehe ich sieben Sätze richtig und spreche
sie nach. Bei den letzten drei Sätzen lässt plötzlich meine Konzentration
nach. Frau Haindl bemerkt dies sofort und wir beenden für heute das Training.
Donnerstag, 27.03.2008
Pünktlich um 08.30 Uhr bin ich bei Frau Heinrich. Wir besprechen ihre
gestrige SP-Einstellung und belassen sie weitgehend. Nur die mittleren
Frequenzen hebt sie etwas an, um den Klang der Töne voller werden zu lassen.
Nun gehe ich zur Logopädin, Frau Haindl. Heute bekomme ich schon richtig
schwierige Übungen gestellt, die normalerweise erst nach einem halben Jahr
SP-Einstellung angedacht sind. Ich bekomme eine Bildergeschichte vorgelegt und
Frau Haindl stellt mir dazu Fragen, die ich beantworten muss, ohne sie dabei
anzusehen. Das klappt, bis auf wenige Ausnahmen, recht gut. Danach legt sie mir
einen Lückentest von Elke Heidenreich "Erfindergeist" vor. Sie liest
diese Geschichte mit Ergänzung der Lücke vor und ich muss genau hinhören und
diesen Text in der Lücke nachsprechen. Auch dies klappt, zu unserem Erstaunen -
bis auf einige Ausnahmen - sehr gut.
Wir sind für heute fertig.
Ich verabschiede mich von Frau Haindl und Frau Heinrich und wir vereinbaren im
Juli einen erneuten Termin.
Ich bedanke mich ganz herzlich bei Beiden für die hervorragende therapeutische
Arbeit.
Nun habe ich bis zu meiner Abreise noch etwas Zeit, da Prof. Bloching nochmal
mit mir sprechen will.
Dienstag, 08.04.2008
Heute beginnt meine AHB (Anschlussheilbehandlung nach OP).
Bei meiner Ankunft begrüßen mich alle herzlich. Ich bin sehr gespannt…..
Morgen habe ich die Aufnahmeuntersuchung und am Mittag das erste
Einzel-Hörtraining. Bin sehr gespannt, wie das Training hier, im Vergleich zur
Logopädin in Homburg/Saar, abläuft.
In meinem Zimmer habe ich einen PC mit Flachbildschirm, CD-Player, Tuner und
Boxen, einen Fernseher und Telefon. Auf dem PC ist ein spezielles
Hörtrainingsprogramm installiert.
Mittwoch, 09.04.2008
Das erste Einzel-Hörtraining bei der Logopädin, Frau Schäfer, war überaus erfreulich. Ich konnte schon einen längeren Text ohne Mundbild fast fehlerfrei nachsprechen. Ich habe mich riesig darüber gefreut!
Freitag, 11.04.2008
Heute beginne ich mit dem Computer-Programm zur Förderung der auditiven
Funktionen. Ich kann folgende Programme abrufen: Geräusche, Laute, Silben,
Wörter, Zahlen.
Es wird eine Kontrollfunktion installiert, mit welcher ich erfahre, ob mein
Ergebnis richtig oder falsch ist. Hauptsächlich übe ich Einsilber, die
missverständlich klingen können, man muss genau hinhören: z.B.: Oer - Ohr,
Bock - Rock, Kur - Tür usw.. Vieles höre ich jetzt schon spontan richtig, aber
es unterlaufen mir auch immer noch Fehler. Also üben, üben, üben!
Das Telefonieren werde ich nächste Woche mit CI üben. Zunächst muss ich die
genaue Stelle des Mikrofons finden und den Hörer an diese Stelle halten. Herr
Bellagnech (CI-Techniker) sagte, ich solle mit meinem Mann ganz einfache kurze
Sätze sprechen und vorher ein Thema vorgeben, so dass ich nicht gleich am
Anfang frustriert bin. Das finde ich auch psychologisch sehr sinnvoll. Jeden Tag
gehe ich mindestens ein bis zwei Stunden laufen und achte sehr genau darauf,
dass Anspannung und Entspannung im Gleichgewicht sind. Frische Luft ist genauso
wichtig wie lange Übungsprogramme!
Samstag, 19.04.2008
Nun bin ich schon fast zwei Wochen hier. Mittlerweile habe ich schon die 3.
Einstellung des Sprachprozessors erhalten. Das Hören mit CI wird immer besser.
Ich bemerke es im täglichen Umgang mit anderen Menschen, beim Üben des
Computer-Programms und jetzt auch schon beim Telefonieren. Am Anfang habe ich
ganz schlecht am Telefon verstanden und musste häufig nachfragen. Mein Mann hat
das tapfer mit durchgestanden! Aber es wurde bei jedem weiteren Telefonat immer
besser. Die Stimmen über CI hören sich am Telefon noch sehr fremd an. Aber das
wird mit der Zeit auch "normaler" und deutlicher klingen.
Im Einzelhörtraining mit der Logopädin, Frau Schäfer, haben wir auch
Telefontraining gemacht. Einmal hat sie mir vom Nebenzimmer aus ein Kochrezept
durchgesagt und ich musste es Satz für Satz nachsprechen. Es gibt dabei immer
noch Schwierigkeiten, aber die Erfolgserlebnisse werden häufiger und dann bin
ich überglücklich. Texte ohne Mundbild kann ich jetzt schon fast fehlerfrei
nachsprechen. Im Gruppenhörtraining geht es manchmal recht lustig zu, auch wenn
wir ansonsten sehr konzentriert bei der Sache sind! Uns werden lange
Zungenbrechersätze vorgelesen und diese müssen wir dann nachsprechen. Man muss
sehr genau hinhören, um alles richtig zu verstehen. Gestern bekamen wir einen
DIN-A4-Seiten-Text aus Harry Potter zu lesen. Danach sprach die Logopädin zwei
bis drei Wörter aus diesem Text vor und wir mussten der Reihe nach den
kompletten Satz finden und ergänzend vorlesen. Es ist anstrengend, aber es
macht sehr viel Spaß. Zur Entspannung bekommen wir dann am Ende der Stunde eine
Geschichte vorgelesen, die wir mit geschlossenen Augen hören.
Montag, 21.04.2008
Heute Mittag bekommen wir im Gruppentraining Zungenbrechersätze im Dialekt
vorgelesen. Diese Sätze waren ausgesprochen schwer zu verstehen, noch dazu mit
"Störschall". Unsere Logopädin, Frau Bier, hatte ein Radio
eingeschaltet, in welchem leise Popmusik lief. Teilweise dürfen wir sie nicht
anschauen beim Vorlesen, dies erschwert das Training ganz besonders. Aber wir
haben uns tapfer geschlagen. Zum Schluss der Stunde lässt die Konzentration
merklich nach. Wir bekommen danach den guten Rat, jetzt eine Hörpause
einzulegen. Das mach ich auch!!
Mittwoch, 23.04.2008
Ein großer Tag für mich. Ich habe heute das erste Mal seit vielen, vielen
Jahren wieder die Nachrichten im Radio gehört und verstanden!! Erst vereinzelte
Wörter, dann Sätze und Zusammenhänge. Nach einigen Minuten konzentrierten
Hörens habe ich die kompletten Nachrichten von Anfang bis Ende verstanden -
Männerstimmen und Frauenstimmen! Alles war klar zu verstehen, auch die
Wetterprognose. Heute scheint für mich im übertragenen Sinne die Sonne und
solch ein Glücksgefühl habe ich schon lange nicht mehr empfunden! Auch meine
persönliche Mühe hat sich gelohnt. Meine Vorstellungen, Wünsche und Träume
sind jetzt schon in Erfüllung gegangen und ich werde diese weiter ausbauen mit
Hilfe von Herrn Bellagnech und meinen Logopädinnen!!
Ein großes DANKE an ALLE !!!
Dienstag, 29.04.2008
Meine Reha-Verlängerung wurde genehmigt! Jetzt kann ich noch drei Wochen
hier in der Bosenberg-Klinik bleiben. Ich denke, dass diese Zeit für mich sehr
wichtig ist, um bereits Erlerntes zu intensivieren. Besonders möchte ich noch
das Telefonieren und Fernsehen üben!
Am Samstag werde ich einige Handys ausprobieren, bin sehr gespannt, ob ich ein
passendes für mich finde!
Samstag, 03.05.2008
Heute habe ich im Handy-Laden von St. Wendel verschiedene Handys, die mir
empfohlen wurden, getestet. Ich habe mich danach eindeutig für das Modell von
Nokia 6131 entschieden. Es hat einen klaren, deutlichen Klang, ohne
Störgeräusche. Ich konnte sofort meinen Mann gut verstehen und habe außerdem
beim Rückruf polyphone Klingeltöne und Vibration gut vernommen. Ich bin
überglücklich, dass es tatsächlich funktioniert!
Außerdem habe ich am Wochenende über Festnetztelefon mit meiner Tochter in San
Francisco und meiner Tochter in Berlin sowie mit Freunden telefoniert.
Es klappt immer besser und ich muss immer seltener nachfragen. Dieser positive
Erfolg bewirkt bei mir, dass ich beim Telefonieren lockerer und entspannter
werde, was ich als äußerst entlastend empfinde.
Am Samstag habe ich hier in St. Wendel ein Konzert besucht. Drittes
Klavierkonzert C-moll op. 37 von Ludwig van Beethoven und 5. Symphonie e-moll
opus 64 von Tschaikowski. Es war für mich ein überwältigendes Erlebnis. Ich
saß in der ersten Reihe und habe Klavier-Soli, Violinen, Flöten und alle
anderen Instrumente in vollem Klangumfang gehört. Ich bin sehr glücklich.
Mittwoch, 07.05.2008
Heute habe ich das von mir ausgesuchte Handy ( Nokia 6131) gekauft. Habe
gleich meinen beiden Töchtern die Handy-Nr. gemailt und am Abend meinen Mann
angerufen. Ich habe mich im Garten vor der Klinik auf eine Bank gesetzt und mit
ihm telefoniert, das war etwas ganz Neues für mich! Besonders spüre ich, dass
ich beim Telefonieren (Festnetz oder Handy) ständig entspannter werde. Auch das
Telefonat gestern mit meinem Bruder, hat sehr gut funktioniert, was ohne
Implantat nur schwer möglich war. Dies ist ein neuer Meilenstein in meiner
Hörentwicklung!
Sonntag, 18.05.2008
Heute ist Sonntag, ein Tag vor meiner Abreise aus St. Wendel. Am vergangenen
Freitag habe ich mir zum Abschluss meiner Reha eine Karte für die Wagner Oper
Lohengrin im Staatstheater Saarbrücken geleistet. Es war ein Erlebnis, endlich
konnte ich wieder die Sopranistinnen hören, auch dann, wenn sie sehr leise
gesungen haben. Der volle Klang des Orchesters und des Chores war
überwältigend hörbar und körperlich fühlbar. Es ist kaum zu beschreiben,
wie unendlich dankbar und glücklich ich darüber bin, dass es das
Cochlear-Implantat gibt
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Stand: 15.03.2009