Michaels Ohrenseite - Erfahrungsberichte

Bericht von Bianca Maus

Michaels Ohrenseite

Erfahrungsbericht von Bianca Maus

Ich bin Jahrgang 1981 und war seit meiner Geburt auf beiden Ohren leicht schwerhörig. Als ich 13 Jahre alt war, habe ich auf beiden Ohren einen Hörsturz erlitten, quasi über Nacht, der Grund ist unbekannt. Trotz Krankenhausbehandlung war ich ab diesem Zeitpunkt beiderseitig an Taubheit grenzend schwerhörig - mein Sprachverstehen war gleich Null. Da ich unbedingt auf meiner bisherigen Schule für Normalhörende bleiben wollte, bekam ich einen Lehrer der Schwerhörigenschule als Unterstützung zur Seite gestellt. Dieser hat meine Klassenkameraden und Lehrer "geschult" und mir mit verschiedenen Hilfestellungen ermöglicht, in meiner bisherigen Klasse zu bleiben. Schnell klappte das Lippenlesen, anfangs ließ ich mir viel aufschreiben, kam aber ordentlich mit in der Schule. Schade fand ich, wie ignorant viele Lehrer am Gymnasium (11.-13. Klasse) mit meiner Hörbehinderung umgingen. Da mir Lernen sehr leicht viel konnte ich mit zu Hause nachlesen gut kompensieren, dass ich im Unterricht häufig nur wenig verstand. Trotzdem habe ich ein gutes Abitur gemacht und anschließend zunächst eine Ausbildung zur Pferdewirtin Schwerpunkt Reiten (abgebrochen, das Reiten sollte doch Hobby bleiben), dann einen Job als Teamassistentin, dann Suche eines Ausbildungsplatzes. Dies gestaltete sich nicht so einfach - meine Erfahrung war, dass man wenn man nicht telefonieren kann fast überall abgelehnt wird. Mal mehr, mal weniger offen. Hätte es damals schon das AGG gegeben und ich meine Rechte besser gekannt...

Naja, auf jeden Fall konnte ich ein Jahr nach meinem Abitur eine so genannte Fortbildung zum gehobenen Dienst der Berufsgenossenschaften anfangen - teils an einer Berufsakademie, teils praktisch. Hier kam ich sehr gut mit meiner Hörbehinderung klar, ich habe große Unterstützung erhalten.

Nach meiner Prüfung wurde ich übernommen und bin seitdem im Personalwesen tätig. Hier habe ich gemerkt, dass sich mit Hörbehinderung zwar alles irgendwie machen lässt, dass ich jedoch ohne das Telefon nie vollständig unabhängig arbeiten könnte. So habe ich mich zum CI entschieden - bestärkt wurde ich dabei auch durch einen Besuch des Reha-Zentrums in Rendsburg (sehr zu empfehlen!), wo ich einen LBG-Kurs absolviert habe. Im Dezember 2006 gingen meine Voruntersuchungen am Uniklinikum Eppendorf (Hamburg) los, alles war positiv und mir wurde eine OP am linken Ohr empfohlen. Nun ging alles schnell - am 27.03.2007 wurde ich operiert.

Mein Implantat ist das Nucleus Freedom von Cochlear. Ich habe mich wegen der verschiedenen Programme (Normal / Beam - für Hören des Gesprächspartners bei Lärm z.B. in der Disco / Whisper -Verstärkung sehr leiser Geräusche / Adro - Angleichung leiser und lauter Geräusche z.B. Gespräche beim Autofahren) für diese Marke entschieden.

Es lief alles komplikationslos und ich konnte nach 5 Tagen stationärem Aufenthalt entlassen werden. Anfangs hatte ich noch Gleichgewichtsprobleme und Kopfschmerzen, das legte sich aber bald. Genau 4 Wochen nach der OP durfte ich auch schon wieder Sport machen und die ambulante Rehabilitation begann beim CI-Team des UKE Hamburg (großes Lob! sehr zu empfehlen!!). Für die ersten 2 Wochen der Reha war ich außer am WE fast täglich dort und schon am ersten Tag der Einstellung total begeistert!!!

Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass erstmal alles furchtbar anstrengend und belastend ist. Das war bei mir überhaupt nicht der Fall! Selbst das CI-Team war erstaunt wie schnell alles ging. Am allerersten Tag an dem das CI angeschaltet wurde, konnte ich es schon den ganzen Tag tragen, gleich die Uhr ticken hören, helle Töne wahrnehmen und die Vögelstimmen zum ersten Mal hören. Das war einfach nur richtig schön! :-))

Die nächsten Tage der Reha gab es sehr schnell unglaubliche Fortschritte, die Lautstärke und die Programmierung konnten jeden Tag verbessert werden und schon 10 Tage nach der Erstanpassung konnte ich zum ersten Mal telefonieren - ein unbeschreiblich schönes Erleb-nis für mich - denn das "wieder telefonieren können" war für mich der Hauptgrund für die OP. Nach 2 Wochen habe ich mir zu Hause ein Telefon gekauft und bin seitdem nicht mehr "von der Strippe" zu bekommen. Die ersten Tage habe ich nur mit Freunden / Kollegen telefoniert, nach einer Woche konnte ich schon Anrufe fremder Personen annehmen und fast jedes Wort verstehen. Bin wirklich so begeistert!!! Jetzt, 7 Wochen nach der OP, 3 Wochen nach Reha-Beginn, kann ich während der Fahrt Autoradio hören (das ging noch nie vorher!), problemlos telefonieren und habe mich schon auf einem Kurztrip nach Irland im Englisch-Verstehen geübt.

Die Entscheidung für das CI habe ich nicht eine Sekunde bereut. :-)) Jetzt möchte ich nur noch gerne mit Handy telefonieren können, bisher stört mich hier der Funk / die Strahlung des Handys noch. Aber auch hierfür soll es eine Lösung geben, ich werde in den nächsten Tagen mal einiges ausprobieren. :-)

Ob ich rechts noch ein CI beantragen werde, weiß ich noch nicht. Für mich glaube ich, dass ich es nicht tun werde, denn "ein Apparat am Kopf" ist mir eigentlich genug - ich mache sehr, sehr viel Sport und komme ja bisher super mit einem klar - mein Hörgerät auf der rechten Seite trage ich aber trotzdem, damit der Hörnerv dort nicht degeneriert.

Mein Fazit: CI ist toll! :-) Wenn ihr Fragen habt oder einfach Kontakt aufnehmen möchtet, schreibt mir gern eine Mail an

bianca.maus@t-online.de

Viele Grüße und alles Gute für euch! :-)

Bianca Maus

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Stand: 20.01.2008