|
Nach erfolgreicher CI-Operation am 18.10.2001 und erfolgter Erstanpassung am
07.11.2001 ging es schnell voran mit meiner wiedergewonnenen Hörfähigkeit.
Binnen kurzer Zeit erreichte ich für mich einen Hörerfolg, den ich mir beim
besten Willen nicht erträumt hatte. Damit einher ging auch mein Wunsch, möglichst
rasch wieder an den Fortschritten im Bereich der Telekommunikation teilhaben zu
können.
Vor der OP war meine Telefonierfähigkeit über die Jahre hinweg gegen Null
gesunken. Immer öfter lies ich das Telefon einfach klingeln oder musste mich,
wenn es nicht anders ging, der Unterstützung meines Umfeldes bedienen, das zwar
sehr hilfsbereit war, dessen Hilfestellung ich aber auch bewusst nicht überstrapazieren
wollte.
So kam es, daß ich schon nach der zweiten Anpassung des CIs meinen Audiologen
fragte, wann denn die Einstellung eines Telefonprogramms anstünde. Sicherlich
naiv, aber man wird ja mal fragen dürfen... ;o) Natürlich waren zu Beginn die
Proritäten ganz andere, aber schon von Berufs wegen, wollte ich so rasch wie möglich
wieder mit dem Telefon arbeiten, wenn es denn irgendwie möglich ist.
So machte ich mich zuallererst mit den Möglichkeiten einer FM-Anlage vertraut.
Im Rahmen der postoperativen Hörtrainungs am CIC Friedberg konnte ich mir die
aktuellen Anlagen der Firmen Sennheiser und Solaris ausleihen und habe mich
zuguterletzt für die Sennheiser Microport 2013 PLL entschieden, die mir fortan
in Verbindung mit dem TA-2 der Firma Humantechnik die "Rückkehr ins
Festnetz" bescherte, worüber nicht nur ich, sondern auch meine Verwandten,
Freunde, Kollegen und nicht zuletzt mein Arbeitgeber begeistert waren. Glücklicherweise
wurden die Kosten der FM-Anlage vom Integrationsamt des Landeswohlfahrtsverbands
Hessen voll übernommen. Der bisher stets mit Unbehagen erfolgte Griff zum
Telefonhörer war Vergangenheit, ganz im Gegenteil, es machte so viel Spaß, daß
ich mich selber bremsen musste.
Im Rahmen der Sitzungen am CIC Friedberg und unter tatkräftiger Mitwirkung der
Audiologie der Uni Frankfurt am Main wurde darüber hinaus versucht, für mich
ein Telefonprogramm zu entwerfen, das ich neben dem normalen Hörprogramm im
Prozessor gespeichert habe, um letztlich auch ohne FM-Anlage telefonieren zu können.
Diese Bemühungen zeigen für mich DERZEIT die Grenzen meines CIs auf, denn die
Lautstärke aller von mir ausprobierten Telefonhörer war für mich nicht
ausreichend, um ohne Hilfsmittel sicher telefonieren zu können.
"Sicher" heißt für mich, einfach JEDES Wort laut und deutlich zu
verstehen, denn mit weniger wollte ich mich nicht zufrieden geben. Das
Telefonprogramm hatte aber bei mir letztlich nicht den gewünschten Effekt. Zwar
konnten die Parameter des Prozessors so eingestellt werden, daß ich die aus dem
Hörer kommende Sprache relativ gut verstehen konnte, aber dadurch wurde meine
eigene Stimme gleichermaßen so laut verstärkt, daß mein Hörnerv nachdem ich
selber in den Hörer gesprochen hatte, so stark gereizt war, daß das deutlich
leisere Signal des Anrufenden dann entsprechend wieder zu wenig war. Somit bin
ich hier weiterhin auf entsprechende Hilfsmittel, also die FM-Anlage angewiesen,
aber es gibt für mich nachwievor die Hoffnung, daß sich das gewünschte
Ergebnis noch einstellen wird.
Nachdem ich in Sachen Festnetz nun erhebliche Fortschritte gemacht hatte, begann
ich mich mehr und mehr auch für mobile Kommunikation zu interessieren. Schon
seit 2 Jahren besitze ich ein Nokia 3310, das ich aber mangels Hörfähigkeit
nur für SMS verwendet habe. Wie schon bei Festnetzgeräten war die Lautstärke
des Handys ohne Hilfsmittel für mich nicht ausreichend und MED-EL konnte meine
Fragen, welches Handy für mein CI am besten geeignet wäre, nur unzureichend
beantworten, man hat dort sicherlich auch andere Prioritäten. Also machte ich
mich selber schlau, denn mein Wunsch war, so rasch wie möglich auch mit einem
Handy telefonieren zu können. So kam ich über Kontakte zu anderen CI-Trägern
an die Adresse von CCMED und besorgte mir den entsprechenden Adapter für das
3310. Damit konnte ich die ersten Handygespräche meines Lebens führen und war
hellauf begeistert. Kleiner aber feiner unangenehmer Nebeneffekt war, daß ich
meine eigene Stimme dabei nicht hören konnte, was mir erheblich zu schaffen
machte, aber die Stimme des Anrufers konnte ich klar und deutlich verstehen, was
für mich ein natürlich mehr als ein kleines Wunder war.
Daraufhin begann ich mich nach einem neuen Kartenvertrag umzuschauen, da ich bei
meinem alten Vertrag sehr hohe Minutenpreise zu zahlen hatte und ich wollte ja
nicht beim Telefonieren pleite gehen ;o) In diesem Zusammenhang stieß ich auf
die Aktion80 von Vodafone, die bei einem neuen Vertrag mit Sonderkonditionen für
Schwerbehinderte gleich auch noch ein neues Handy mit einschloß. Da ich ja
schon ein 3310 hatte und wusste, daß ich samt Adapter damit telefonieren kann,
suchte ich nach einem Handy, das über exakt die gleichen Anschlüsse verfügte.
So kam ich dann zum neuen Nokia 5510 (Beschreibung siehe Link in der Linkliste),
das sich für mich als wahrer Glücksfall entpuppte.
Das Telefon ist als Spaßhandy vor allem für MP3-,Radiofans und SMS-Schreiber
entwickelt worden und hat deswegen einen Audioeingang an desses Buchse Normalhörende
über den gleich mitgelieferten Adapter ADA-2 einen Kopfhörer anschliessen können.
An diesen ADA-2 kann ich meinen HdO mit dem üblichen CI-Kabel, das ich auch für
die FM-Anlage verwende, direkt und ohne weitere Hilfsmittel anstecken. Die Übertragung
des Tonsignals kommt über das Kabel klar und störungsfrei direkt auf mein CI,
das sonst stets störende gepulste Rauschen ist nicht vorhanden. Da ich nun auch
meine Stimme hören konnte, habe ich den Adapter von CCMED wieder zurückgegeben,
denn das war für mich ein entscheidender Vorteil beim 5510. Die Welt der
mobilen Kommunikation war für mich offen, sofern ich mein MED-EL-Audiokabel
dabei habe. Ich war einfach nur happy !!!
Das lässt sich eigentlich nicht mehr toppen, dachte ich, wurde aber eines
besseren belehrt. Durch puren Zufall hielt ich einmal das 5510 direkt an das
Mikrofon meines CIs, als ich verschiedene Einstellungen ausprobierte und mich
dabei selber auf dem 3310 anrief und siehe da, ich konnte das Freizeichen klar
und deutlich und OHNE jedes Zubehör im 5510 hören. Das machte mich mutiger und
ich tätigte einen Anruf in dem ich das 5510 ohne Verkabelung direkt ans
Mikrofon meines SPs hielt und siehe da, es klappte wunderbar. Der Lautsprecher
des 5510 ist offenbar deutlich stärker als der des 3310. Die Stimme des
Anrufenden kommt klar und deutlich rüber, ausschließlich über den
Handy-Lautsprecher und ohne weiteres Zubehör !
Ich bin derzeit einfach nur begeistert von den neuen Möglichkeiten, die mir das
5510 hier bietet. Dabei sind die eigentlichen Funktionen MP3, Radio und SMS nur
Beiwerk, obwohl es natürlich auch Spass macht aus dem Handy heraus Musik zu hören,
aber das wäre nochmal ein anderes Thema...
Ich kann nur jeden CI-Träger, gleich welches Implantat er trägt, ermutigen,
einmal das 5510 von Nokia auszuprobieren. Wohlwissend über die sehr
unterschiedlichen persönlichen Voraussetzungen der einzelnen CI-Träger sollte
meines Erachtens jeder für sich seine Möglichkeiten so gut als möglich nutzen
und sich nicht mit weniger zufrieden geben, als letztlich machbar ist.
Das 5510 von Nokia hat MIR, der ich nie zuvor mit einem Handy telefonieren
konnte, die Fähigkeit beschert immer und überall (natürlich nicht während
der Autofahrt;o) ) nach Herzenslust meinem neuen Hobby zu frönen.
In diesem Sinne: Ruft doch mal an ;o) (siehe die Handynummer auf der
Ohrenseite...)
Mai 2002
Michael Schwaninger
Stand: 06.03.2003